Ремарк Эрих Мария - Im Westen nichts Neues / На Западном фронте без перемен. Книга для чтения на немецком языке стр 15.

Книгу можно купить на ЛитРес.
Всего за 238 руб. Купить полную версию
Шрифт
Фон

Wir sitzen rundherum, die Hemden auf den Knien, den Oberkörper nackt in der warmen Luft, die Hände bei der Arbeit. Haie hat eine besonders feine Art von Läusen: sie haben ein rotes Kreuz auf dem Kopf. Deshalb behauptet er, sie aus dem Lazarett in Thourhout* mitgebracht zu haben, sie seien von einem Oberstabsarzt persönlich. Er will auch das sich langsam in dem Blechdeckel ansammelnde Fett zum Stiefelschmieren benutzen und brüllte eine halbe Stunde lang vor Lachen über seinen Witz.

Doch heute hat er wenig Erfolg; etwas anderes beschäftigt uns zu sehr.

Das Gerücht ist Wahrheit geworden. Himmelstoß ist da. Gestern ist er erschienen, wir haben seine wohlbekannte Stimme schon gehört. Er soll zu Hause ein paar junge Rekruten zu kräftig im Sturzacker gehabt haben. Ohne dass er es wusste, war der Sohn des Regierungspräsidenten dabei. Das brach ihm das Genick*.

Hier wird er sich wundern. Tjaden erörtert seit Stunden alle Möglichkeiten, wie er ihm antworten will. Haie sieht nachdenklich seine große Flosse an und kneift mir ein Auge. Die Prügelei war der Höhepunkt seines Daseins; er hat mir erzählt, dass er noch manchmal davon träumt.

* * *

Kropp und Müller unterhalten sich. Kropp hat als einziger ein Kochgeschirr voll Linsen erbeutet, wahrscheinlich bei der Pionierküche. Müller schielt gierig hin, beherrscht sich aber und fragt: »Albert, was würdest du tun, wenn jetzt mit einemmal Frieden wäre?«

»Frieden gibts nicht!« äußert Albert kurz.

»Na, aber wenn «, beharrt Müller, »was würdest du machen?«

»Abhauen!« knurrt Kropp.

»Das ist klar. Und dann?«

»Mich besaufen«, sagt Albert.

»Rede keinen Quatsch, ich meine es ernst «

»Ich auch«, sagt Albert, »was soll man denn anders machen.«

Kat interessiert sich für die Frage. Er fordert von Kropp seinen Tribut* an den Linsen, erhält ihn, überlegt dann lange und meint: »Besaufen könnte man sich ja, sonst aber auf die nächste Eisenbahn und ab nach Muttern*. Mensch, Frieden, Albert «

Er kramt in seiner Wachstuchbrieftasche nach einer Fotografie und zeigt sie stolz herum. »Meine Alte!« Dann packt er sie weg und flucht: »Verdammter Lausekrieg «

»Du kannst gut reden«, sage ich. »Du hast deinen Jungen und deine Frau.«

»Stimmt«, nickt er, »ich muss dafür sorgen, dass sie was zu essen haben.«

Wir lachen. »Daran wirds nicht fehlen, Kat, sonst requierierst* du eben.«

Müller ist hungrig und gibt sich noch nicht zufrieden. Er schreckt Haie Westhus aus seinen Verprügelträumen. »Haie, was würdest du denn machen, wenn jetzt Frieden wäre?«

»Er müsste dir den Arsch vollhauen, weil du hier von so etwas überhaupt anfängst«, sage ich, »wie kommt das eigentlich?«

»Wie kommt Kuhscheiße aufs Dach?« antwortet Müller lakonisch und wendet sich wieder an Haie Westhus. Es ist zu schwer auf einmal für Haie. Er wiegt seinen sommersprossigen Schädel: »Du meinst, wenn kein Krieg mehr ist?«

»Richtig. Du merkst auch alles.«

»Dann kämen doch wieder Weiber, nicht?« Haie leckt sich das Maul.

»Das auch.«

»Meine Fresse noch mal«, sagt Haie, und sein Gesicht taut auf, » dann würde ich mir so einen strammen Feger* schnappen, so einen richtigen Küchendragoner, weißt du, mit ordentlich was dran zum Festhalten, und sofort nichts wie rin in die Betten! Stell dir mal vor, richtige Federbetten mit Sprungmatratzen, Kinners*, acht Tage lang würde ich keine Hose wieder anziehen.«

Alles schweigt. Das Bild ist zu wunderbar. Schauer laufen uns über die Haut. Endlich ermannt sich Müller und fragt: »Und danach?«

Pause. Dann erklärt Haie etwas verzwickt: »Wenn ich Unteroffizier wäre, würde ich erst noch bei den Preußen bleiben und kapitulieren.«

»Haie, du hast glatt einen Vogel*«, sage ich.

Er fragt gemütlich zurück: »Hast du schon mal Torf gestochen? Probiers mal.«

Damit zieht er seinen Löffel aus dem Stiefelschaft und langt damit in Alberts Essnapf.

»Schlimmer als Schanzen in der Champagne kanns auch nicht sein«, erwiderte ich.

Haie kaut und grinst: »Dauert aber länger. Kannst dich auch nicht drücken.«

»Aber, Mensch, zu Hause ist es doch besser, Haie.«

»Teils, teils«, sagt er und versinkt mit offenem Munde in Grübelei.

Man kann auf seinen Zügen lesen, was er denkt. Da ist eine arme Moorkate, da ist schwere Arbeit in der Hitze der Heide vom frühen Morgen bis zum Abend, da ist spärlicher Lohn, da ist ein schmutziger Knechtsanzug

»Hast beim Kommiss in Frieden keine Sorgen«, teilt er mit, »jeden Tag ist dein Futter da, sonst machst du Krach, hast dein Bett, alle acht Tage reine Wäsche wie ein Kavalier, machst deinen Unteroffiziersdienst, hast dein schönes Zeug; abends bist du ein freier Mann und gehst in die Kneipe.«

Haie ist außerordentlich stolz auf seine Idee. Er verliebt sich darin. »Und wenn du deine zwölf Jahre um hast, kriegst du deinen Versorgungsschein und wirst Landjäger*. Den ganzen Tag kannst du Spazierengehen.«

Er schwitzt jetzt vor Zukunft. » Stell dir vor, wie du dann traktiert* wirst. Hier einen Kognak, da einen halben Liter. Mit einem Landjäger will doch jeder gutstehen.«

»Du wirst ja nie Unteroffizier, Haie«, wirft Kat ein. Haie blickt ihn betroffen an und schweigt. In seinen Gedanken sind jetzt wohl die klaren Abende im Herbst, die Sonntage in der Heide, die Dorfglocken, die Nachmittage und Nächte mit den Mägden, die Buchweizenpfannkuchen mit den großen Speckaugen, die sorglos verschwatzten Stunden im Krug

Mit soviel Phantasie kann er so rasch nicht fertig werden; deshalb knurrt er nur erbost*: »Was ihr immer für Blödsinn zusammenfragt.«

Er streift sein Hemd über den Kopf und knöpft den Waffenrock zu.

»Was würdest du machen, Tjaden?« ruft Kropp.

Tjaden kennt nur eins. »Aufpassen, dass mir Himmelstoß nicht durchgeht.«

Er möchte ihn wahrscheinlich am liebsten in einen Käfig sperren und jeden Morgen mit einem Knüppel über ihn herfallen. Zu Kropp schwärmt er:

»An deiner Stelle würde ich sehen, dass ich Leutnant würde. Dann kannst du ihn schleifen, dass ihm das Wasser im Hintern kocht.«

»Und du, Detering?« forscht Müller weiter. Er ist der geborene Schulmeister mit seiner Fragerei.

Detering ist wortkarg*. Aber auf dieses Thema gibt er Antwort. Er sieht in die Luft und sagt nur einen Satz: »Ich würde gerade noch zur Ernte zurechtkommen.« Damit steht er auf und geht weg.

Er macht sich Sorgen. Seine Frau muss den Hof bewirtschaften. Dabei haben sie ihm noch zwei Pferde weggeholt. Jeden Tag liest er die Zeitungen, die kommen, ob es in seiner oldenburgischen* Ecke auch nicht regnet. Sie bringen das Heu sonst nicht fort.

In diesem Augenblick erscheint Himmelstoß. Er kommt direkt auf unsere Gruppe zu. Tjadens Gesicht wird fleckig. Er legt sich längelang ins Gras und schließt die Augen vor Aufregung.

Himmelstoß ist etwas unschlüssig, sein Gang wird langsamer. Dann marschiert er dennoch zu uns heran. Niemand macht Miene, sich zu erheben. Kropp sieht ihm interessiert entgegen.

Er steht jetzt vor uns und wartet. Da keiner etwas sagt, lässt er ein »Na?« vom Stapel.

Ein paar Sekunden verstreichen; Himmelstoß weiß sichtlich nicht, wie er sich benehmen soll. Am liebsten möchte er uns jetzt im Galopp schleifen*. Immerhin scheint er schon gelernt zu haben, dass die Front kein Kasernenhof ist. Er versucht es abermals und wendet sich nicht mehr an alle, sondern an einen, er hofft, so leichter Antwort zu erhalten. Kropp ist ihm am nächsten. Ihn beehrt er deshalb. »Na, auch hier?«

Aber Albert ist sein Freund nicht. Er antwortet knapp: »Bisschen länger als Sie, denke ich.«

КОНЕЦ ОЗНАКОМИТЕЛЬНОГО ОТРЫВКА

Ваша оценка очень важна

0
Шрифт
Фон

Помогите Вашим друзьям узнать о библиотеке

Скачать книгу

Если нет возможности читать онлайн, скачайте книгу файлом для электронной книжки и читайте офлайн.

fb2.zip txt txt.zip rtf.zip a4.pdf a6.pdf mobi.prc epub ios.epub fb3

Похожие книги